Hätten Sie’s gewusst?

 

Kalk gegen Kalk

Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben? Fast könnte man das meinen, wenn man hört, dass zu viel Kalk im Trinkwasser unter Einsatz von Kalk entfernt wird. Die Erklärung ist ebenso einfach wie verblüffend. Die Entstehung von Kalkablagerungen (Calciumcarbonat) im Trinkwasser beruht auf einfachen chemisch-physikalischen Vorgängen: Das CO2 aus der Atmosphäre löst sich gut im Regen- oder Grundwasser zu Kohlensäure. Fliesst das kohlensäurehaltige Wasser über Kalkstein, verbindet sich dieser mit der Kohlensäure zu löslichem Calciumhydrogencarbonat. Das Calciumhydrogencarbonat im Trinkwasser bleibt so lange gelöst, bis das Wasser verdunstet oder erhitzt wird: Dann entstehen daraus wieder CO2 und unlösliches Calciumcarbonat.

Nach dem gleichen Prinzip entstehen auch Tropfsteine. Was uns in Tropfsteinhöhlen fasziniert, wird in den Leitungen von Maschinen oder auf dem Waschbecken als störend empfunden. Besonders drastisch zeigen sich die Auswirkungen im Warmwasserbereich. Da Kalk ein schlechter Wärmeleiter ist, steigt mit der Kalkablagerung auch der Energieverbrauch zur Erhitzung des Wassers.

Verschiedene Trinkwasserversorgungsunternehmen in Deutschland nutzen das sehr einleuchtende Prinzip der Enthärtung mit Hilfe von Kalkhydrat, um das Problem von Kalkablagerungen zu reduzieren. Durch Zugabe von gelöschtem Kalk in Form von Kalkmilch oder Kalkwasser werden der pH-Wert und die Konzentration an Calciumionen deutlich erhöht. Die Erhöhung der Konzentration an Calciumionen bewirkt die Ausfällung des gelösten Calciumhydrogencarbonats als Calciumcarbonat, das sich in der Trinkwasseraufbereitungsanlage als weisser Niederschlag absetzt und abgetrennt wird. Das ausgefällte Calciumcarbonat wird anschliessend einer sinnvollen Nutzung zugeführt.