Calciumsalze aus KFN-Produkten

Dr. Dirk Sewing, Leiter Forschung und Entwicklung, Kalkfabrik Netstal AG

Diverse KFN-Kunden stellen unterschiedlichste Calciumsalze aus Netstaler Weisskalkprodukten her. Die Salze werden zum grossen Teil in den Bereichen Lebens- und Futtermittel, in kleinerem Rahmen auch in Pharmaanwendungen verwendet. Hier gelten naturgemäss sehr strenge Reinheitsanforderungen. Die Reinheit des Kalkprodukts muss i.d.R. über die Einhaltung der Spezifikationen für Lebensmittelzusatzstoffe gewährleistet sein. Ebenso gibt es für die meisten Endprodukte unserer Kunden gesetzlich festgelegte Grenzwerte.

Spezifikationen für Lebensmittelzusatzstoffe sind in der Verordnung (EU) Nr. 231/2012 festgelegt1). Dort sind alle zugelassenen LM-Zusatzstoffe mit ihren E-Nummern und Ober- bzw. Untergrenzen für bestimmte Inhaltsstoffe aufgeführt. (Das E steht hier einfach für Europa.) Diese Grenzwerte gelten für die Vermarktung in der EU. Sie sind seit einigen Jahren ins Schweizer Recht übernommen worden. Die Produktionsstätten der meisten Kunden liegen innerhalb der EU, z.T. auch in Amerika und Asien. Mit sehr vielen dieser Kunden hat die KFN spezielle Qualitätsvereinbarungen abgeschlossen. Insgesamt wird eine Minimierung bedenklicher Bestandteile angestrebt. Dies gilt besonders für:

  • Blei
  • Cadmium
  • Arsen
  • Quecksilber
  • Barium
  • Aluminium
  • Silizium
  • Schwefel
  • Eisen
  • Mangan

Die Zertifizierung unseres Managementsystems gemäss ISO / FSSC 22000 wird von allen dieser Kunden sehr begrüsst.

Im Folgenden ein Überblick über die unterschiedlichen Spezialprodukte.

Calciumstearat (E 470a):

  • Wirkt als Stabilisator in Polyvinylchlorid (PVC) und anderen Kunststoffen.
    Es wird meist In Kombination mit Zinkstearat verwendet. Hiermit wird das bisher verwendete Bleistearat ersetzt (Blei ist in dieser Anwendung verboten, da es gesundheitsschädlich ist.).
  • Wirkt zusammen mit reinem Calciumhydroxid als Säurefänger; wird im Gemisch mit einer Vielzahl anderer Chemikalien eingesetzt.
  • Voraussetzung ist hier ein besonders feinteiliges Calciumhydroxid, weil sich nur dies unauffällig, also ohne weisse „Stippen“ im Kunststoff verteilt. Dies ist besonders wichtig bei Einarbeitung in sehr dünnen Folien.
  • Wird auch als Gleitmittel in pharmazeutischen Produkten, als Schmierstoff in der Papier- und Metallverarbeitenden Industrie, als Hydrophobierungsmittel für Baustoffe eingesetzt
  • Wird direkt aus Calciumhydroxid und Stearinsäure hergestellt. Hierzu wird in den meisten Fällen nekablanc 0 verwendet, da mit dieser feinen Korngrösse eine sehr hohe Feinheit des Endprodukts erreicht werden kann. Auch Calciumoxid, also nekafin 2 bzw. nekafin 0 wird für diesen Zweck eingesetzt.
  • Hier ist eine hohe Weisse der Endprodukte gefordert. Ein möglichst geringer Anteil an Verunreinigungen wie Eisenoxid und Manganoxid wirkt sich sehr positiv aus

Calciumcitrat („Tricalcitrat“, TCC, E 333):

  • Wird als Calciumanreicherung / Nahrungsergänzungsmittel in Lebensmitteln verwendet, sowie auch als Säureregulator, und Stabilisator in Arznei-, Futter- und Zahnpflegemitteln.
  • Hat eine höhere Calciumverfügbarkeit als Calciumcarbonat oder Calciumphosphat, da es besser löslich ist.
  • Wird aus wässriger Kalkmilch aus Calciumhydroxid (nekablanc 0) und Citronensäure hergestellt.
  • Die Ausgansprodukte müssen Vorgaben als Lebensmittelzusatzstoffe erfüllen (Ca-Hydroxid: E 526, Ca-Oxid: E 529).

Calciumgluconat (E 578):

  • Dient als Säureregulator, Stabilisator, Rieselhilfsstoff und Komplexbildner in der Lebensmittelindustrie.
  • Wird in der Notfallmedizin bei Vergiftungen mit Flusssäure bzw. Fluorwasserstoff eingesetzt, bildet unlösliches Calciumfluorid.
  • In der Veterinärmedizin dient es zur Behandlung von zu niedrigem Calciumgehalt des Blutes.
  • Wird aus wässriger Kalkmilch aus Calciumhydroxid (nekablanc 0) und Gluconsäure hergestellt.

Calciumlactat (E 327):

  • Wird als Feuchthaltemittel und Säureregulator in der Lebensmittelindustrie verwendet.
  • Kommt natürlich in altem Käse vor; kristallisiert an der Oberfläche aus.
  • Reagiert mit Pektin in aufgeschnittenem Obst und Gemüse unter Erhärtung zu Calciumpektinat und verlängert so deren Haltbarkeit.
  • Wird aus wässriger Kalkmilch aus Calciumhydroxid (nekablanc 0) und Milchsäure hergestellt.

Calciumlactatgluconat (E 327, E 578):

  • Doppelsalz der Milch- und Gluconsäure
  • Weist eine sehr hohe Löslichkeit und sehr gute Bioverfügbarkeit von Calcium auf (zweithöchste nach Calciumchlorid).
  • Wird aus wässriger Kalkmilch aus Calciumhydroxid (nekablanc 0) und einer Mischung aus Milch- und Gluconsäure hergestellt.

Calciumpropionat (LM-Zusatzstoff E 282):

  • Wird als Konservierungsmittel in Lebensmitteln eingesetzt. Es hemmt die Vermehrung von Pilzen (z.B. Schimmel in Brot und Backwaren). Es wirkt auch konservierend in Kosmetika und in Futtermitteln.
  • Wird direkt aus Calciumoxid (nekafin 2, nekafin 0) und Calciumhydroxid (nekablanc 0) und Propionsäure hergestellt. Es gibt auch die Herstellungsweise aus wässriger Calciumhydroxid- (nekablanc-0-) Suspension.

Calciumbutyrat:

  • Wird zur Aufrechterhaltung einer gesunden Darmflora in der Aufzucht verschiedener Tiere verwendet. Es dient also dem Schutz der Tiere vor Krankheiten.
  • Wird hergestellt aus Calciumhydroxid (nekablanc 0), Calciumoxid (nekafin 2, nekafin 0) und Buttersäure.

Calciumphosphate: Tricalciumphosphat, Calciumdihydrogenphosphat, Calciumhydrogenphosphat

(in unterschiedlicher Zusammensetzung, mit gemeinsamer Nummer E 341)

  • Werden als Säureregulatoren, Rieselhilfe, Festigungsmittel und Trennmittel in Backpulvern und Futtermitteln eingesetzt; sind auch für Öko-Lebensmittel geeignet.
  • Tricalciumphosphat wird in der Knochenchirurgie und Implantologie als synthetisches Knochenersatzmaterial eingesetzt.
  • Die Cremigkeit von Schmelzkäse wird mit Calciumhydrogenphosphat verbessert. Auch Kartoffelprodukte werden haltbarer gemacht und aufgehellt. Es dient ausserdem als Futtermittelzusatzstoff und ist in vielen Zahncremes enthalten.
  • Werden aus Calciumhydroxidsuspension (nekablanc 0) und Phosphorsäure hergestellt.

Calciumperoxid (E 930)

  • Wird als Antiseptikum (Verhinderung von Wundinfektionen) in Zahnpasten und Kaugummi sowie zur Desinfektion des Wurzelkanals in der Zahnheilkunde verwendet. Ausserdem wirkt es als Teigverbesserer in der Backindustrie.
  • Wird aus wässriger Suspension aus Calciumhydroxid (nekapur 2) und Wasserstoffperoxid hergestellt.

Calcium-Pantothenat:

  • Pantothensäure wird auch als Vitamin B5 bezeichnet, ist also ein wichtiger Teil des Stoffwechsels von Menschen und Wirbeltieren.
  • Das Calciumsalz dieser Säure wird zur Wundheilung, als Haarbehandlungsmittel und als Futterzusatz angewendet.
  • Wird aus wässriger Suspension aus Calciumhydroxid (nekapur 2) und Pantothensäure hergestellt.

Calciumsalze von Folsäurederivaten

  • Sind pharmazeutische Aktivsubstanzen. Sie werden als Lebensmittelzusatz bei Folsäuremangel (Folsäure ist ein Vitamin), z.T. auch bei depressiven Verstimmungen und in der Krebsbehandlung verwendet.
  • Werden aus Calciumhydroxid (nekapur 2) und den entsprechenden Folsäurederivaten hergestellt.

Zusammenfassung

Es gibt eine grosse Menge an Calcium-Zusatzstoffen. Hierfür bilden die hochreinen und z.T. auch besonders feinen KFN-Produkte als Ausgangsstoffe die geeignete Basis. Die Zertifizierung unseres QM-Systems gemäss ISO / FSSC 22000 bietet die Gewähr, dass unsere Produkte in der erforderlichen hygienischen Umgebung hergestellt werden. Die Liste unserer speziell anspruchsvollen Kunden erweitern wir laufend.

  1. Verordnung (EU) Nr. 231/2012 der Kommission vom 9. März 2012 mit Spezifikationen für die in den Anhängen II und III der Verordnung (EG) Nr.1333/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates aufgeführten Lebensmittelzusatzstoffe
  2. Die meisten Informationen stammen aus Wikipedia, z.T. auch von Webseiten unserer Kunden.