Asphaltverbesserung mit Kalkhydrat - Glarner Kreisel wird zur Teststrecke
von Dr. Dirk Sewing, Kalkfabrik Netstal AG

Abb1: Nach den Regeln der Technik wird der mit Kalk verbesserte Deckbelag auf dem Kreisel Glarus Nord eingebaut.
Plangemäss erfolgte Mitte August der Einbau eines neuen Deckbelags im Bereich des Kreisels Glarus Nord. Mit der gewählten Belagsmischung wird technisches Neuland beschritten. Dem Splittmastixasphalt wurde in der einen Fahrspur - und damit in einer Kreiselhälfte - gelöschter Kalk aus Netstal als Haltbarkeitsverbesserer zugesetzt. Ein Überwachungsprogramm soll nun untermauern, was bereits vor drei Jahren an Hand von Laborgemischen herausgefunden worden ist: Kalkhydrat verbessert die Haftung zwischen Bitumen und Mineralkorn. Der Strassenbelag wird widerstandsfähiger gegen Verkehrsbelastung und Witterungseinwirkung.
Der neue Kreisel war im Herbst 2000 angelegt worden. Mit dem Einbau des Deckbelags wurde dann aber beinahe ein Jahr gewartet, um ein gutes Setzen des Untergrunds zu gewährleisten. Der im Kreiselbereich eingebaute Deckbelag ist wegen der dort konzentrierten Brems-, Lenk- und Anfahrbewegungen naturgemäss extremen Belastungen ausgesetzt. Dazu erweisen sich die Witterungsbedingungen im Kanton Glarus immer wieder als Herausforderung für den Strassenbau. Besonders heikel wird die Situation jeweils im Winter, wenn reichlich Schatten die Fahrbahntemperatur langfristig auf einem ziemlich niedrigen Niveau hält. Der Deckbelag sollte daher eine spezielle Stabilität aufweisen. Die Kantonale Baudirektion ist also auf äusserst strapazierfähige Lösungen angewiesen. Eine Unterstützung kam von eher unerwarteter Seite, nämlich von der Kalkfabrik Netstal AG.

Abb2: Beim maschinellen Einbau unterscheidet sich das kalkhaltige Belagsmaterial praktisch nicht von einem konventionellen Gemisch.
Zwar leisten Kalkprodukte seit langer Zeit als Stabilisierungsmittel für Strassenunterbauten wichtige Dienste. Die Verfestigung von lehmigen Böden mit gebranntem Kalk gehört zum anerkannten Stand der Technik. Dagegen ist Kalk in der Rolle des Belagsverbesserers noch sehr wenig bekannt. Ein Forschungsprojekt des auch in der Schweiz renommierten Instituts Prof. Schellenberg aus Rottweil/D hat allerdings 1998 die haftfördernde Wirkung von Kalkhydrat in einer Vielzahl von Laborversuchen bewiesen. Diese Forschungsergebnisse haben die Glarner Baudirektion überzeugt.
Auch das mit den Ausführungen beauftragte Bauunternehmen, die Firma Hösli AG hat für das Asphaltverbesserungsmittel Kalkhydrat auf Anhieb gute Perspektiven gesehen. Der Vorschlag der Kalkfabrik Netstal AG, den Kreiselbereich als Teststrecke zu nutzen, um die vorliegenden Laborergebnisse mit einem Feldversuch zu untermauern, wurde also von Bauherrschaft und Unternehmer tatkräftig unterstützt. Der Splittmastixasphalt SMA 11 wurde auf einer Fahrspur mit 2 Gew.-% Kalkhydrat (bezogen auf das Gesamtgemisch) versetzt.
Die Kantonsstrasse zwischen Glarus und Netstal erwies sich als geradezu ideal geeignet für einen solchen Grossversuch. Schliesslich besteht kein Mangel an Verkehr. Zudem weisen beide Fahrtrichtungen eine ähnlich intensive Belastung auf. Die mit Kalkhydrat versetzte Fahrspur kann so im Lauf der nächsten Jahre genau mit der „unverbesserten“ Spur verglichen werden. Eine Bestätigung der im Labor gefundenen positiven Effekte auf der Versuchstrecke soll auch Skeptiker davon überzeugen, dass Kalkhydrat auf ökonomische Weise zur Verlängerung der Haltbarkeit von stark beanspruchten Asphaltbelägen genutzt werden kann.
